Unsere Gesellschaft feiert Produktivität. Wer viel leistet, gilt als erfolgreich. Wer beschäftigt wirkt, scheint wichtig zu sein. Doch die Bibel zeichnet ein überraschend anderes Bild: Gottes Geschichte mit den Menschen beginnt nicht mit Arbeit, sondern mit Ruhe. Das Schöpfungslied macht dies deutlich: Jeder Schöpfungstag hat den Rhythmus „Abend und (dann) Morgen“. Der Tag beginnt nicht mit Aktivität, sondern mit Dunkelheit, Stille und Ruhe. Der erste Tag des Menschen beginnt dann mit 24 Stunden Ruhe, obwohl er gerade erst in eine Welt gesetzt wurde, die darauf gewartet hat, bebaut zu werden. Zuerst Ruhe, dann Arbeit.
Im Judentum wird dies am Sabbat (Samstag) gefeiert, der mit dem Sonnenuntergang am Freitagabend beginnt. Die ersten Stunden des heiligen Tages verbringen Juden also nicht mit frommen Übungen, sondern in ihrer verletzlichsten und unproduktivsten Form: Schlafend. Das ist kein Zufall. Der Sabbat erinnert daran, dass Ruhe kein Lohn für erledigte Arbeit ist. Sie ist ein Geschenk Gottes. Zuerst Ruhe, dann Arbeit.
Ich kenne das andersherum: Zuerst die Arbeit, dann das Vergnügen. Oder jetzt in der Urlaubszeit hört man „Den Urlaub hast Du Dir verdient!“ Wir leben also nach dem umgekehrten Prinzip. Menschen gönnen sich Erholung erst dann, wenn alle Aufgaben erledigt sind. Doch genau darin liegt eine Falle. Wer das Erwachsenenleben kennt, weiß: Die To-do-Liste wird niemals wirklich enden. Es gibt immer noch eine E-Mail zu beantworten, eine Rechnung zu bezahlen, Wäsche zu waschen oder jemanden zu versorgen. Das Leben besteht aus wiederkehrenden Aufgaben, die niemals endgültig abgeschlossen sind.
Wenn Du darauf wartest, bis alles erledigt ist, wirst Du nie zur Ruhe kommen. Gleichzeitig verlierst Du eine wichtige geistliche Wahrheit aus dem Blick: Dein Wert hängt nicht von Deiner Leistung ab. Viele Christen definieren ihre Beziehung zu Gott über das, was sie tun oder nicht tun. Sie handeln so, als hinge der Ausgang der Geschichte von ihrer eigenen Leistung ab. Deswegen ist „unproduktive“ Ruhe schier unfromm.
Das Evangelium erzählt eine andere Geschichte. Gott liebt uns nicht aufgrund dessen, was wir für Ihn tun. Seine Liebe geht jeder Leistung voraus.
Diese Erkenntnis wird besonders wichtig, wenn es um Zeiten der Ruhe, der Stille, des Rückzugs und der geistlichen Einkehr geht. Vielleicht hast Du Angst vor solchen Momenten, weil Du in der Ruhe nicht mehr glänzen kannst. Ich glaube: Wer sich auf Ruhe vor und mit Gott einlässt, verlässt eigene Sicherheiten und wagt sich in eine tiefe Beziehung zu Gott. Denn dort stellt sich eine entscheidende Frage: Wer bin ich, wenn ich nichts leiste?
Ich bin dann einfach Freund von Jesus. Christen sprechen von Jesus als Herrn, König oder Retter. Das ist Er! Daraus entspringt häufig sofort ein Auftrag für uns. Doch die Bibel beschreibt Jesus auch als Freund. Freundschaften wachsen nicht primär durch Leistungen, sondern durch gemeinsame Zeit. Man verbringt einfach Zeit gemeinsam, ohne Leistung, ohne Agenda, ohne Ziele, ohne Abrechnung, ohne Feedbackgespräch. Darfst Du das sein in diesem Sommer? Darfst Du das sein in Deinem Urlaub? – ein Freund von Jesus.
Ein Autor nennt das „heiliges Trödeln“ mit Jesus. Viele haben es verlernt, bei Gott auszuruhen. Die Gründe dafür klingen oft plausibel: „Ich habe keine Zeit“, „Die Menschen brauchen mich“ oder „Anderes ist gerade dringend“. Vielleicht ist es aber nur die Angst davor loszulassen und dem Ruhe-Prinzip Gottes zu vertrauen. Er sorgt! Er kümmert sich, während wir bei Ihm ruhen. Gott möchte uns nicht nur gebrauchen. Er möchte uns lieben. Dafür dürfen wir unseren Stress zurückfahren und entschlossen Ruhe haben.
Gottes größtes Interesse gilt nicht Deiner Produktivität, sondern Deiner Beziehung zu Ihm. Diese findet ihr Fundament im einfachen Sein bei Ihm. Deshalb ist Ruhe kein Luxus und keine Belohnung für die Fleißigen. Sie ist eine Einladung Gottes, immer wieder neu zu entdecken, dass wir geliebte Freunde von Ihm sind – lange bevor wir etwas leisten.
Eine ruhige Sommerzeit wünscht Dir

Daniel Pfeifer | Gemeindereferent
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