Vor Kurzem habe ich alle Paulusbriefe in einem Rutsch gelesen! Ich kann Dir das nur wärmstens empfehlen, das einmal zu tun. Erstaunlicherweise habe ich nicht mal eine viertel Stunde gebraucht. Am Abend zuvor hatte ich gelesen, wie Jesus auf dem Wasser ging und den Sturm mit einem einzigen Wort stillte. Aus diesen Versen habe ich gelernt, dass Gott mir helfen kann, wenn ich Angst habe. Und am Abend davor hatte ich die Geschichte von Daniel in der Löwengrube gelesen und entdeckt, dass Gott mich vor jeder Gefahr beschützen wird. – Falls Du es noch nicht erraten hast: ich hatte unsere Kinderbibel gelesen. Die haben wir seit 1,5 Jahren und ab und zu tut mir das richtig gut, darin zu lesen.

Wenn Du kleine Kinder oder Enkel hast, kennst Du wahrscheinlich die Kernaussage vieler Kinderbibeln. Häufig geht es da um eine gute Moral. Kinder lernen dabei, ehrlich zu sein, zu teilen und sogar ihren Eltern zu gehorchen. Das sind doch Werte, die wir uns wünschen, oder? Doch manchmal zucke ich bei solchen Lektüren zusammen. Ich erinnere mich daran, dass zuhause bei meinem besten Schulfreund dieselben Lektionen vermittelt wurden. Seine Eltern waren allerdings explizit keine Christen. Er lernte das gleiche, wie ich. Als Vorlage dienten anderen Glaubenshelden: Tim & Struppi, Der Inspektor und die Ninja Turtles. Er las wie ich Kindergeschichten, die gutes Benehmen vermitteln sollten, und war grundlegend so „anständig“ wie ich.

Welche Kinderbibel?

Daniel empfiehlt diese Kinderbibel: “Die größte Geschichte” von Kevin DeYoung

Seine Rezension findest Du hier.

 

Auch erhältlich über unseren Büchertisch.

Meinen Eltern bin ich dankbar, dass sie mir aus den Kinderbibeln nicht nur Moral beigebracht haben, sondern den Versuch unternahmen, mir das Evangelium zu erläutern. Dieses beinhaltet unter anderem, dass keiner mit seiner Moral bei Gott punkten kann und jeder von uns Fehler macht (Röm 2,12-15). Dem Evangelium entsprechend, darf die Hauptbotschaft der Heiligen Schrift gegenüber der nächsten Generation nicht eine Moralpredigt sein. Dann wäre kein Unterschied zwischen der Kraft des Evangeliums und dem Teamspirit der Ninja Turtles zu erkennen.

Christliche Eltern sind dafür verantwortlich, Kinder in der Zucht und Ermahnung des Herrn zu erziehen (Eph 6,4). Großeltern und die Gesamtgemeinde (selbst die ohne Kinder!) können dabei wertvolle Unterstützer sein. Es ist unsere Aufgabe, ihnen beizubringen, wie man Sein Wort studiert. Wie schön wäre es, wenn sie das Wort Gottes besser kennen als ‚Paw Patrol‘ oder ‚Bob der Baumeister‘. Dies geschieht, wenn sie die Bibel nicht als Sammlung moralischer Fabeln sehen, sondern als die eine epische Erlösungserzählung.

Ein paar Ideen, die mich beschäftigen, wenn ich an all die Kinder in unserem Gemeindehaus denke und für die jungen Familien & Großeltern bete.

  1. Suche, plane & nutze Gelegenheiten

In 5. Mose 6,4–9 heißt es, dass wir Kindern zu Hause, auf Reisen, abends vor dem Schlafengehen und morgens nach dem Aufstehen vom Herrn erzählen sollen. Gespräche über Gott und sein Wort sollten ein fester Bestandteil unserer täglichen Interaktion mit unseren Kindern sein – egal wie alt sie sind. Finde kreative Wege. Erzähle deinem Kind, was Du heute selbst von Gott erfahren hast. Lies abends mit deinem Kind eine Passage aus der Bibel. Tauscht euch als Eltern über die Methoden aus. Macht euch gegenseitig Mut. Stärkt euch, wenn ihr einmal mehr eure Begrenztheit erlebt.

  1. Moralisiere nicht

Bibelgeschichten werden oft wie eine geistliche Version der Grimm-Märchen erzählt. So als würde es um den Struwwelpeter oder Max und Moritz gehen. Die heißen bei Jesus eben „Jona“ und „Pharisäer“. Mahnend erzählt man den Kindern von Jona, was passiert, wenn wir nicht auf Gott hören: Unheil! Das stimmt zwar, aber biblische Erzählungen sind nicht ausschließlich oder schon gar nicht hauptsächlich dazu bestimmt, eine Moralpredigt zu vermitteln. Es ist die Erzählung davon, wie Gott zum Retter eben solcher Menschen wird. Eine Erzählung die Grimms-Märchen nicht kennen. Wenn ihr gemeinsam eine Kinderbibel lest, achte darauf, ob es nur eine „Moral der Geschicht‘…“ gibt oder am Ende das Evangelium spürbar wird.

  1. Stelle Fragen…

… zu den Figuren, der Handlung und dem Kern der Erzählung. Konzentriert Euch auf das, was wirklich dasteht. Stelle „Wie“ und „Warum“-Fragen, um den Kindern zu helfen, die übergeordneten, erlösenden Themen zu erkennen. Also: ‚Wie geht Gott mit den Menschen hier um?‘, ‚Warum tut Gott das, was Er tut?‘, ‚Wie findest Du Gott?‘. Widerstehe dem Drang alle Antworten parat zu haben, um sie abhaken zu können. Spannung auszuhalten kann lehrreich sein. Hilf dem Kind dabei für sich selbst Antworten zu finden, statt dass es diese nur nachplappert. Mit manchen Fragen dürfen Kinder länger unterwegs sein. Und du kannst sie später erneut stellen.

  1. Versprich keinen falschen Gott

Manchmal mag man versucht sein, Erzählungen einen Schwerpunkt zu geben, der eher aus dem eigenen Wunschdenken entspringt als aus dem Wort selbst. Da wollen wir versprechen, dass Gott ihre Körper stets beschützen, alle Krankheiten heilt und für materielle Bedürfnisse sorgt. O-Ton: Gott schenkt ein leichtes Leben. Das ist lieb gemeint. Eine solche Theologie stößt jedoch schnell an ihre Grenzen, denn Kinder leben in einer fragilen Welt. Sie leben in der Realität. Sie werden Not erleben. Gottes Wort erzieht zur Mündigkeit nicht in eine Scheinwelt.

  1. Lest ausgewogen

Meist lernen Kinder nur die Erzähltexte der Bibel kennen. Das ist jedoch nur ein Teil von Gottes Wort. Je älter Kinder werden, desto häufiger dürfen wir ihnen Texte zutrauen, die über Theologie & Themen sprechen. Natürlich in kurzen Abschnitten. Als Projekt kann man mit jungen Teenagern Briefe kennenlernen – Jakobus, 1. Johannes, Philipper, Epheser eignen sich gut! Oder wir erforschen mit ihnen Psalme („Wie würdest Du ihn singen?“ – Kinder sind da kreativ!) oder einzelne Sprüche. Ganz nebenbei lernt man hier spielerisch Verse auswendig.

Mein Wunsch: Nur Mut! Manchmal habe ich Angst, dass moderne Christen es aufgegeben haben, der nächsten Generation systematisch und mit Anspruch das Evangelium beizubringen. Wir begnügen uns mit gutem Verhalten. Das große Problem dabei ist: wenn wir Kindern nicht die große Erzählung des Evangeliums beibringen, dann werden sie einfach nur den Erzählungen unserer Kultur folgen. Natürlich ist dies nicht der leichte Weg. Unsere Kinder sind diese Anstrengung wert! Nehmen wir uns die Zeit. Und wo wir selbst keine Kinder haben, lasst uns praktische und betende Unterstützer von Eltern sein.

 

Daniel Pfeifer | Gemeindereferent

 

 

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